„Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern – Rettet die Bienen!“

Stellungnahme der Umweltbeauftragten des Bistums Augsburg
zum Volksbegehren

 Ziel
des Volksbegehrens ist es, Regelungen im bayerischen Naturschutzgesetz zu
verankern, welche die Lebensräume für die Vielfalt der Arten sichern können.
Ist das Volksbegehren erfolgreich, wäre die bayerische Regierung durch
Gesetzänderung tatsächlich zu konkreten Maßnahmen zum Artenschutz verpflichtet.

Zu den
Kernforderungen des Volksbegehrens gehören u.a. Maßnahmen, die bayernweite
Vernetzung von Lebensräumen für Tiere, die Erhaltung von Hecken, Bäumen und
kleinen Gewässern in der Landwirtschaft und der Erhalt und die Schaffung
blühender Randstreifen an allen Bächen und Gräben.

Hintergrund
dieses Volksbegehrens ist, dass auch in Bayern nachweisbar viele Tier- und
Pflanzenarten massiv in ihrem Bestand zurückgegangen und vom Aussterben bedroht
sind. Besonders betroffen sind Insekten, die um ca. 75% zurückgegangen sind.
Darunter leiden wiederum alle Insektenfresser, allen voran viele Vogelarten.
Das wiederum führt zu einem Schwund der heimischen Vogelwelt. Die
Kettenreaktionen lassen sich beliebig fortsetzen und bedeutet auch eine
konkrete Gefahr für uns Menschen.

Die
wichtigsten Ursachen für den starken Rückgang in Pflanzen- und Tierwelt sind
die intensive Landwirtschaft, v.a. die häufige und immer früher durchgeführte
Mahd von Wiesen, der Einsatz von Pestiziden, Überdüngung, das Umbrechen von
Wiesen und Ackerfläche und das Entfernen von wichtigen Lebensräumen wie Hecken,
Alleen und kleinen Feuchtgebieten.

Auf diese
gefährliche Entwicklung hat im Jahr 2015 bereits Papst Franziskus in seiner
Enzyklika „Laudato si“ hingewiesen und eindringlich an ein Umdenken appelliert:

„Die
Ressourcen der Erde werden auch geplündert durch ein Verständnis der Wirtschaft
und der kommerziellen und produktiven Tätigkeit, das ausschließlich das
unmittelbare Ergebnis im Auge hat. Der Verlust von Wildnissen und Wäldern
bringt zugleich den Verlust von Arten mit sich, … .

Jedes Jahr verschwinden Tausende Pflanzen- und Tierarten, die wir nicht mehr
kennen können, die unsere Kinder nicht mehr sehen können, verloren für immer.
Die weitaus größte Mehrheit stirbt aus Gründen aus, die mit irgendeinem
menschlichen Tun zusammenhängen. Unseretwegen können bereits Tausende Arten
nicht mehr mit ihrer Existenz Gott verherrlichen, noch uns ihre Botschaft
vermitteln. Dazu haben wir kein Recht.“

(Papst Franziskus, Enzyklika „Laudato si“, 32,33)
In seiner Enzyklika zitiert Papst Franziskus u.a. auch Patriarch Bartholomäus,
der die Zerstörung der Schöpfung als Sünde bezeichnet.:
„Dass Menschen die biologische Vielfalt in der göttlichen Schöpfung
zerstören; dass Menschen die Unversehrtheit der Erde zerstören, indem sie
Klimawandel verursachen, indem sie die Erde von ihren natürlichen Wäldern
entblößen oder ihre Feuchtgebiete zerstören; … all das sind Sünden“ (Papst
Franziskus, Enzyklika „Laudato si“, 8)

Papst Franziskus legt der Menschheit nahe, die Schöpfung nicht unter dem Aspekt
des unmittelbaren Gebrauchs und Verbrauchs, sondern als Geschenk und
Offenbarung Gottes an uns Menschen zu sehen:

„Wenn die
Erde uns geschenkt ist, dann können wir nicht mehr von einem utilitaristischen
Kriterium der Effizienz und der Produktivität für den individuellen Nutzen her
denken. Wir reden hier … von einer grundlegenden Frage der Gerechtigkeit, da
die Erde, die wir empfangen haben, auch jenen gehört, die erst noch kommen. … .

Welche Art von Welt wollen wir denen überlassen, die nach uns kommen, den
Kindern, die gerade aufwachsen? … Wozu gehen wir durch diese Welt, wozu sind
wir in dieses Leben gekommen, wozu arbeiten wir und mühen uns ab, wozu braucht
uns diese Erde? Darum reicht es nicht mehr zu sagen, dass wir uns um die
zukünftigen Generationen sorgen müssen. Wir müssen uns bewusst werden, dass
unsere eigene Würde auf dem Spiel steht.“ (Papst Franziskus, Enzyklika „Laudato
si“, 159,160)

Die Liste der Zitate von Papst Franziskus über unsere Verantwortung gegenüber der Schöpfung ließe sich noch beliebig fortsetzen. Aus seinen Äußerungen klingt eine ganz deutliche Tendenz: Ein Umdenken und radikaler Wandel in unserem menschlichen Verhalten der Schöpfung gegenüber. 
Abschließend komme ich zu folgendem Statement:

Ich bin überzeugt, dass die Forderungen des Volksbegehrens in Einklang mit unserem christlichen Glauben stehen.
Gott uns diese Erde anvertraut hat.  Es ist unser Recht, die Schöpfung zu unserem Wohl und dem Wohl aller Mitgeschöpfe, auch der nach uns kommenden Generationen, in Liebe zu gebrauchen.

Gott will,dass wir behutsam und achtsam mit seiner Schöpfung umgehen und Gottes Größe undgeheimnisvolle Gegenwart in ihr entdecken. 
Deshalb stehe ich als Umweltbeauftragte des Bistums Augsburg dem Volksbegehren positiv gegenüber.

Wer das Volksbegehren unterschreibt leistet einen aktiven Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung.

Augsburg, 16.01.2019

 Andrea Kaufmann-Fichtner

Umweltbeauftragte des Bistums Augsburg

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